Mary Cassatt

Mary Cassatt

Mary Cassatt (1844 – 1926) war eine US-amerikanische Impressionistin, die in ihren Gemälden und Grafiken vor allem das bürgerliche Leben der Frauen im späten 19. Jahrhundert darstellte.

Mit ihren Werken wie beispielsweise „Junge Mutter beim Nähen“, „Der Gutenachtkuss“, „Mutter und Kind“, „Schlafendes Baby“, „Sara, eine Katze haltend“, „Kindermädchen beim Vorlesen“ und „Eine Frau und ein Mädchen fahren“ legte sie den Fokus hauptsächlich auf die enge Bindung zwischen Mutter und Kind.

Damit kreierte die Künstlerin ein neues Frauenbild und stellte die klassische Ikonografie der Frau als schönes Objekt der männlichen Betrachtung infrage.

Ein Leben lang vertrat Cassatt ihre Meinung sehr offen, was ihr häufig auch beachtliche Kritik einbrachte. Doch aufgrund ihres späteren finanziellen Reichtums genoss sie eine große Unabhängigkeit, die ihr erlaubte zu ignorieren, was ihre Zeitgenossen über sie dachten.

Leben

Mary Cassatt wurde am 22. Mai 1844 als Tochter des Bankiers Robert Simpson Cassatt und dessen Frau Katherine Kelso Cassatt in Allegheny City, Pennsylvania, geboren.

Gut behütet wuchs das kleine Mädchen heran, wobei das Augenmerk ihrer Erziehung vor allem auf die spätere Rolle als Hausfrau und Mutter gelegt wurde. So wurde das Kind vor allem in der Stickerei, dem Zeichnen und Malen, der Musik und schließlich auch in der Haushaltsführung unterrichtet.

Während eines vierjährigen Europa-Aufenthaltes der Familie kam Cassatt erstmalig mit der europäischen Kunst in Berührung. Zutiefst beeindruckt davon ließ sie der Gedanke nicht mehr los, nun selbst eine Malerin werden zu wollen.

Gegen den Willen des Vaters begann die Sechzehnjährige im Jahr 1861 ein Kunststudium an der „Pennsylvania Academy of Fine Arts“ in Philadelphia.

Doch der Unterricht ging ihr zu schleppend voran und um der zunehmenden Bevormundung der männlichen Lehrer und Schüler zu entkommen, beendete sie schließlich ihr Studium und reiste 1864 nach Paris, um hier die alten Meister im Louvre zu kopieren.

Das Museum war auch ein sozialer Treffpunkt für französische und amerikanische Studentinnen, die nicht die Cafés besuchen durften, in denen sich die Avantgarde aufhielt.

Ende 1866 schloss sich Cassatt einer Malklasse an und ließ sich 1868 von dem Künstler Thomas Couture unterrichten. Zwei Jahre später wurde dann eines ihrer Bilder, „Ein Mandolinen Spieler“ vom „Pariser Salon“ angenommen.

Als im Spätsommer 1870 der französisch-preußische Krieg begann, kehrte die junge Künstlerin in die Vereinigten Staaten zurück, wo sie mit ihrer Familie in Altoona, Pennsylvania, lebte.

Noch immer konnte ihr Vater den von ihr gewählten Berufsweg nicht akzeptieren und zahlte seiner Tochter daher nur den lebensnotwendigen Unterhalt. Für alle Kunstutensilien musste Cassatt selbst aufkommen. Um die Ausgaben finanzieren zu können, stellte sie in einer New Yorker Galerie zwei Gemälde aus. Doch außer vielen Bewunderern fanden sich keine Käufer.

Die Verzweiflung der Künstlerin wuchs und schon bald dachte sie ernsthaft darüber nach, ihre Kunst aufzugeben. Sie wollte ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben führen, wovon sie sich jedoch meilenweit entfernt sah.

Nach 1871 wurde der Erzbischof von Pittsburgh auf einige ihrer Arbeiten aufmerksam und gab ihr schließlich den Auftrag, zwei Kopien der Gemälde von Correggio in Parma zu malen.

Hier zog Cassatt mit ihren Bildern viel Aufmerksamkeit auf sich und die dortige Kunstszene zeigte sich begeistert und unterstützend. Nachdem sie die Auftragsarbeit für den Erzbischof erfüllt hatte, reiste sie nach Madrid und Sevilla, wo eine Serie von Gemälden mit Darstellungen von spanischen Untertanen entstand.

Im Jahr 1874 ließ sich die Künstlerin in Frankreich nieder. Begleitet wurde sie von ihrer Schwester Lydia, mit der sie sich hier eine Wohnung mietete.

Drei Jahre später lebten nun auch ihre Eltern bei ihr und damit hatte sich der zu versorgende Haushalt weiter vergrößert. Neben dieser Arbeit und ihrer Malerei unterstützte Cassatt auch noch junge Kunststudentinnen und ermutigte sie, ihren Weg entschlossen weiter zu gehen.

In den 1880er Jahren wandte sich die Künstlerin auch grafischen Arbeiten zu und schuf in den kommenden Jahren etwa zweihundertachtzig Werke.

1890 sah sie auf einer Ausstellung in Paris einige japanische Farbholzschnitte. Inspiriert davon fertigte sie zehn Farbdrucke, die einen bedeutenden Teil ihrer 1893 präsentierten Einzelausstellung in der Galerie Durand-Ruel ausmachten.

Im darauffolgenden Jahr erwarb Cassatt das Schloss Beaufresne an der Oise. Neben ihrem Pariser Atelier wurde dieser neue Wohnort auch zum Mittelpunkt für nationale und internationale Kunstbegegnungen.

Mit der Aufnahme in die französische Ehrenlegion im Jahr 1904 erhielt sie dann eine ganz besondere Auszeichnung.

Zehn Jahre später nahm sie schließlich die Goldmedaille der „Pennsylvania Academy of the Fine Arts“ entgegen. Doch mit dem Verlust ihrer Sehfähigkeit im selben Jahr endete auch ihre Zeit als Malerin.

Am 14. Juni 1926 starb Mary Stevenson Cassatt im Alter von 82 Jahren im Schloss Beaufresne in der französischen Gemeinde Le Mesnil-Théribus.